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Macht uns Social Media blöd?

Um sich in der Welt zurechtzufinden brauchen wir Meinungen. Wie sich eine Meinung bildet, ist verschieden: über Informationen, aus eigener Erfahrung heraus oder aus der Meinung anderer – offline wie online. Das Internet gewinnt seit Social Media massiv an Bedeutung. Ob die eigene Perspektive jedoch dadurch weiter entfaltet wird oder eher beschränkt, ist eine Frage, die spaltet. So lassen erste Studien darauf schließen, dass uns im Netz nur noch das angezeigt wird, was wir ohnehin schon glauben.

Die drei Stützen der digitalen Meinungsbildung

Prof. Dr. Dieter Herbst lehrt an verschiedenen Universitäten digitale Kommunikation, er sieht folgende drei Facetten der Meinungsbildung im Web:

1. Sicherheit – Die eigene Meinung und deren Argumente sollen bestärkt bzw. als richtig angesehen werden. Zwar könnte die Meinung falsch sein, aber die eigene soziale Gruppe ist dieser Meinung. Antrieb ist die Angst vor einer Ausgrenzung durch eine anderweitige Meinung.

2. Entdeckung – Das Internet wird als Medium genutzt, um weitere Argumente eines Themengebietes zu erfahren, die einem selbst noch nicht bekannt sind. Der Reiz liegt in der Entdeckung.

3. Überlegenheit – Das eigene Argument ist das Beste und mit der Beteiligung an der Diskussion stellt sich das Gefühl der Überlegenheit ein.

Fazit: Um unnötigen Energieverbrauch, Konflikte und Neues zu vermeiden greift der Mensch gerne auf Quellen zurück, die seine Meinung bestärken („kognitive Dissonanz“).

Wer macht die Meinung im Web?

Im Netz besteht die große Herausforderung nicht am Zugang zu den Informationen, sondern in ihrer Auswahl. Jedem Internetnutzer steht hier eine große Palette an Quellen zur Verfügung. Doch Facebook, Twitter und Co. sind dabei, an journalistische Websites wie die Tagesschau oder N24 vorbeizuziehen.

Relevant oder irrelevant – immer häufiger wird es dem User vorgegeben

Durch Twitter und Facebook werden „Meinungen unter Freunden“ gebildet, ein Kommunikationstrend, der nicht mehr aufzuhalten ist. Über 140 Millionen Tweets werden pro Tag allein über Twitter gepostet. Meinungen mit unterschiedlicher Relevanz für jeden Einzelnen bahnen sich so ihren Weg. Aber: Eine Umfrage ergab, dass 84% – also die meisten – der Facebook-User von den Statusmeldungen ihrer Freunde regelmäßig genervt sind. Das Trennen von relevanten und irrelevanten Inhalten übernimmt daher immer häufiger eine Software.

Bestes Beispiel ist das amerikanische Social-Commerce-Versandhaus Amazon: Kauft man ein Buch zur Orchideenzucht für Mutters Geburtstag, werden weitere Empfehlungen zum Thema vorgeschlagen, obwohl einen selbst Orchideen gar nicht interessieren.

Ähnlich im sozialen Netzwerk: Facebook-Nutzern werden so beispielsweise Kommentare von Freunden ausgeblendet, deren Inhalte sie selten anklicken. Konrad Lischka, Spiegel-Autor, sieht darin eine „digitale Schweigespirale“. Vielen Nutzern ist jedoch gar nicht bewusst, dass ihre Inhalte vorsortiert werden. Die gute Nachricht: Die Filter-Option kann man abschalten.

Ansichtssache: Schweige- oder Relevanzspirale

Das Sortieren von Inhalten bezeichnet der eine als Schweigespirale – der andere als Relevanzspirale. Prof. Dr. Schengber – der vor allem die Vorteile bei der Vorselektion sieht – ist der Meinung, dass niemand mehrere Hundert soziale Kontakte oder Quellen im Blick haben und gegeneinander abwägen kann. So findet Prof. Dr. Schengber es sogar ganz vorteilhaft, dass abweichende Meinungen ausgefiltert werden, denn solche Filter würden Orientierung und Sicherheit im Internet erhöhen. Ob man sich nun für oder gegen das automatisierte Selektieren von Inhalten ausspricht, bleibt schlussendlich wohl eine persönliche Meinungsfrage.

Was bleibt?

Selbstverständlich läuft man Gefahr, das eigene Meinungsbild zu verengen, wenn man andere Perspektiven von vornerein gewollt oder ungewollt ausschließt. Bei der Frage der Filter-Mechanismen sollte der Nutzer umfassend informiert werden und selbst entscheiden können, ob er diese nutzt oder die Filterung persönlicher Relevanz und Irrelevanz selbst vornimmt.

Ich persönlich denke, dass von einer Verengung der eigenen Meinungsbildung im sozialen Web nicht gesprochen werden kann. Wie im realen Leben umgibt man sich auch im Web bevorzugt mit Gleichgesinnten und folgt diesen. Dies zeigt auch eine Studie von Yahoo. Um es mit den Worten von Prof. Dr. Schegber zu sagen: „Menschen bilden sich ihre Meinungen im Austausch mit anderen. Ob dies real oder virtuell passiert, spielt keine Rolle.


Verfasst von Marc Hartung-Knöfler am 19. April 2011 - Trackback URL

Über Marc Hartung-Knöfler

Marc Hartung-Knöfler zeigt sich bei plateo für die administrative Betreuung der Geschäftskunden verantwortlich und engagiert sich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Als einer der Ausbildungsbeauftragten des Unternehmens fungiert er als stellvertretender Vorsitzender des Prüfungsausschusses 12 Bürokaufleute der IHK Offenbach am Main.

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